Die Gemälde von Francesco Giuntini zeichnen sich durch eine feine Farbigkeit und einen leichten, beinahe ätherischen Schleier aus. Einerseits zeigt sich darin der Wunsch, ideale Landschaften und Figuren—Bilder des Schönen—darzustellen; andererseits wird ein romantischer, lyrischer Grundton betont, der alle Werke durchzieht.
Zugleich besitzt die Farbe eine spürbare Dichte: Sie setzt greifbare Lichtpunkte und erzeugt daraus starke chromatische Kontraste.
Die Motive reichen von ruhigen Meeres‑ oder Seeansichten bis zu intensiven Porträts alter Menschen, junger Frauen oder Kinder. Wiederkehrende Topoi sind: Wasser als kathartisches Element, in dem die Unruhe des Alltags versinkt; Segel als Zeichen luftiger Anmut und Sehnsucht nach Freiheit; sowie Masken, als Mischung aus Geheimnis und Spiel, die eine fröhliche Persönlichkeit erkennen lassen.
Die dargestellte Menschlichkeit—ohne reale Modelle, durch starke Fantasie gefiltert und doch mit großer Aufmerksamkeit für realistische Details—führt durch Lebensphasen: Kinder im Spiel, Tänzerinnen mit väterlicher Zärtlichkeit, zurückhaltende weibliche Akte voller Sinnlichkeit, und schließlich alte Handwerker, bei denen die Pflege eines Bootes oder Netzes den Wert ehrlicher Arbeit zeigt.
Das Malen in der Intimität des Ateliers unterstreicht die Notwendigkeit, das Innere hervorzubringen, statt nur Eindrücke von außen aufzunehmen. Das Open‑Air wurde zuvor beobachtet und wie in einer Momentaufnahme „festgehalten“, das der Künstler später durch Erinnerung und Empfindung erneut aufruft.
(Antonella Menicagli)